TRIBUTE 2026: EUROPEAN EIGHTIES

Das heuer von Diskollektiv – Andrey Arnold, Valerie Dirk, Iris Fraueneder und Ulrike Wirth – kuratierte Crossing Europe Tribute begibt sich auf eine filmhistorische Reise durch das Westeuropa der 1980er.


 

Odyssee durch Westeuropa
Die 1980er sind nicht totzukriegen. Während die kollektive Nostalgie für andere Dekaden kommt und geht, hält sich jene für die sprichwörtlichen „Eighties“ hartnäckig im Rampenlicht der Popkultur – und wird von jeder Generation neu entdeckt. Die Fantasien, die dabei die Runde machen, speisen sich oft aus dem ästhetischen Reservoir der US-Filmgeschichte. Doch was ist mit dem Achtziger-Kino Europas? Hat es uns etwa nichts zu erzählen? War es weniger knallig und kraftvoll? Das historische Programm zeigt, was den Mythenraum der „European Eighties“ ausmacht – im Rahmen einer Odyssee in dessen kapitalistisch geprägtem Westen.

Milieus, Frisuren und Emanzipationen
Hintergrund der kleinen Retrospektive ist eine doppelte Verwunderung. Erstens: Was, Chantal Akerman hat eine Musicalkömodie gedreht?! Und: Warum sind Akermans singende, tanzende Friseurinnen aus GOLDEN EIGHTIES nicht längst Kult? Das Begehren nach Konsumismus(-kritik) und Dauerwellen lässt ja offenkundig nicht nach.

Das Tribute bedient besagte Sehnsucht mit großem Vergnügen, doch im Unterschied zur Yuppie-Vergötterung vieler US-Eighties-Retrotopien richtet es sein Schlaglicht gezielt auf die europäischen Mittelschicht-Milieus jener Zeit – und beschaut sie aus einer vorrangig feministischen Perspektive.

Das Setting von GOLDEN EIGHTIES, ein Kaufhaus mit Boutique und Frisiersalon, stellt dabei einen Angelpunkt dar, der in unterschiedlichen Variationen in allen fünf Filmen auftaucht. Davon ist zwar nur einer ein Musical, aber (Live-)Musik, Gesang oder Theatralik spielen überall eine Rolle.

Leitend für das Programm war zudem der Wunsch, zentrale Eighties-Themenkomplexe wie Neoliberalismus oder Sozialstaat-Abbau und ikonische Figuren wie die „Emanze“ und die „Karrierefrau“ über experimentelle Erstlingswerke oder wagemutige Neuorientierungen etablierter Regisseur*innen zu erzählen.

Fündig wurden wir in den Wohnzimmern des „Black British Cinema“, in einem niederländischen Gerichtssaal, in einer streng geführten queer-feministischen Lustvilla in Hamburg – und auf einer Autoreise durch die Kaufhäuser der Schweiz. Bei aller Verschiedenheit der gezeigten Filme, von denen manche in Nischen durchaus Kultstatus besitzen, aber nicht zum kanonischen Achtziger-Kino zählen, ist das Publikum eingeladen, sich von diesen Werken als charakteristisch für „European Eighties“ überraschen zu lassen. (Diskollektiv)