ARCHITEKTUR UND GESELLSCHAFT:
VERDRÄNGUNG & VERDRÄNGTES

Die von Mia Hemmerling und Gerald Wöss kuratierte Programmsektion legt einen Fokus auf Architektur im sozialen, gesellschaftspolitischen und historischen Kontext.
 

 

Die Programmschiene Architektur und Gesellschaft dreht sich in diesem Jahr ganz um das Thema Wandel. Wenn Veränderung nur als Fortschritt gesehen wird, geht eine wichtige Perspektive abhanden, nämlich jene des Verlustes. Des Verlustes an Erinnerung, persönlicher Geschichte, Gemeinschaft, Wohnraum oder sogar existenzieller Grundlage. Die Filmreihe beschäftigt sich mit Verdrängung und wirft einen Blick auf politische und ökonomische Interessen, soziale Kämpfe und demografischen Wandel. Sie stellt auch die Frage, wie wir Verdrängtes wieder in unser Bewusstsein rufen können. Wir wollen zwar, dass Wohnraum geschaffen wird, Viertel sich verändern und Städte sich entwickeln können. Doch was geschieht mit dem, was vorher war? Welche Folgen hat es, wenn Orte vergessen und Geschichten verdrängt werden? Welche Ideen stecken hinter Architektur? Welche Lebenswelten und welche sozialen Räume entwickeln sich in und zwischen diesen Bauwerken?
 
Die diesjährige Auswahl dokumentarischer Arbeiten spannt ein Narrativ über unterschiedliche Orte und zeigt Menschen, die einem Umbruch unterworfen sind. Etwa in MIASTO, KTÓRE WYJECHAŁO, wo die Bewohner*innen der Altstadt im türkischen Hasankeyf versuchen, ihren Alltag so lange wie möglich zu leben, bevor sie aufgrund eines Staudammprojekts von den Behörden vertrieben werden. Auch DE ZINKENDE RAFELRAND erzählt von Menschen und Initiativen, die einem Stadtentwicklungsprojekt weichen müssen. Im Kurzfilm THE GREAT TOGETHER werden vier Großwohnprojekte und ihre individuellen, aber dennoch globalen Herausforderungen porträtiert. WEISSER RAUCH ÜBER SCHWARZE PUMPE fängt den jahrzehntelangen Strukturwandel in der brandenburgischen Lausitz, dem ehemaligen Energiedreieck der DDR, und die Situation der Betroffenen vor Ort ein. Den Wechsel von Verdrängung und Aneignung hin zu neuerlicher Verdrängung zeigt schließlich SANATÓRIUM NÁDEJ in berührenden Porträts der letzten Bewohner*innen eines alten Sanatoriums in Georgien. (Mia Hemmerling & Gerald Wöss)

Eine Kooperation mit dem